Organisation und Kommunikation

Das Wechselmodell erfordert von allen Beteiligten, also Erwachsenen und Kindern, ein höheres Maß an Organisation und Absprachen, als es das klassische Residenzmodell voraussetzt. Durch den in aller Regel wöchentlichen Wechsel kommt es etwa regelmäßig vor, dass Informationen (z.B. Elternbriefe über Ausflüge oder Schließungstage) von Schule oder Kindergarten bei dem Elternteil landen, der in der entsprechenden Woche überhaupt nicht für die Kinder zuständig ist. Funktioniert hier die Kind-Eltern-, sowie die Eltern-Eltern-Kommunikation nicht reibungslos, kommt es früher oder später zwangsläufig zu Konflikten. Gelingt die Organisation samt Absprachen hingegen gut, profitieren alle Beteiligten von der offenen Atmosphäre und weiteren Vorteilen.

Gerade in Bezug auf Arbeit hat der hauptbetreuende Elternteil zum Beispiel im Residenzmodell oft das Nachsehen. Klassischerweise bleiben nach wie vor hauptsächlich (aber natürlich nicht ausschließlich) die Mütter mit den Kindern daheim und geraten dadurch in die berühmte Armutsfalle der Alleinerziehenden. Der Grund ist simpel: Gerade junge Kinder bedürfen eines hohen Maßes an Pflege und Betreuungsplätze sind knapp und je nach Wohnort auch teuer. So wird die Suche nach Arbeit extrem erschwert und man ist abseits eventueller Unterhaltszahlungen des Ex-Partners aufs Jobcenter angewiesen. Diese finanzielle Teilabhängigkeit vom anderen Elternteil bietet, ohne dieses Thema allzu weit vertiefen zu wollen, wiederum erneut hohes Konfliktpotential (was aber durch kürzliche Änderungen des Unterhaltsvorschusses immerhin etwas entschärft wurde).

Worin liegen aber nun die Vorteile des Wechselmodells? Durch die (je nach Absprache) fast oder genau hälftige zeitliche Aufteilung der Kinder zwischen den Eltern wird in der Regel komplett auf Unterhaltszahlungen verzichtet, wodurch Konflikte durch finanzielle Abhängigkeit vermieden werden. Streitigkeiten um das liebe Geld können aber auch im Wechselmodell auftreten, besonders wenn die Einkommensverhältnisse der Elternteile sich stark unterscheiden. Fallen Kinderbetreuungskosten an ist dann eine hälftige Berechnung nicht immer fair, aber wer zahlt schon gerne freiwillig mehr, obwohl man vielleicht ja auch mehr arbeitet als der Ex-Partner? Einheitlich geregelt ist dabei von Gesetzes wegen leider immer noch sehr wenig, so dass man hier wiederum auf eine offene Kommunikation zwischen den Eltern angewiesen ist. Einige Kommunen richten sich in solchen Fällen aber z.B. schon nach dem geringeren Einkommen oder erlassen etwa die KiTa-Gebühren für beide Elternteile ganz, wenn nur einer von beiden jobcenter-Leistungen bezieht. Doch zurück zu den Vorteilen in Bezug auf die Arbeit: Die Woche, in der die Kinder sich beim jeweils anderen Elternteil aufhalten verschafft nicht nur mehr Zeit für Erledigungen und Hobbies. Sie ermöglicht, einen entsprechend entgegenkommenden Arbeitgeber vorausgesetzt, natürlich auch mehr und flexiblere Arbeitszeiten, die durch die Betreuungszeiten der Kinder ansonsten stark eingeschränkt sein können.

Wie bei vielen anderen Themen auch, kommt es stark auf die individuellen Voraussetzungen an, ob das Wechselmodell dabei eher Vorteile bringt oder die Lage weiter verkompliziert. Denn natürlich kann es umgekehrt gegenüber dem Residenzmodell auch einschränkend sein, wenn man zwar „nur“ jeweils eine Woche an feste Zeiten der Kinder gebunden ist, dies aber eben nicht in der kinderfreien Woche ausgleichen kann. Ermöglicht es der Arbeitgeber nicht, dafür eine individuelle Lösung zu finden, kann dies für den ehemaligen Hauptverdiener zu einer schwierigen Wahl zwischen mehr Karriere oder mehr Zeit mit den Kindern führen. Auch ist es mitunter emotional nicht einfach, jede Woche aufs Neue zwischen „Elternmodus“ und „Alleinmodus“ umzuschalten. Während die Kinder selbstverständlich jederzeit ein Elternteil bei sich haben, sieht es für die Eltern ganz anders aus, da sie immer wieder eine Woche komplett alleine dastehen. Je nach Typ und wie vor der Trennung die Aufgabenverteilung in der Familie war, kann dies eine radikale Umstellung bedeuten, die sich zudem alle zwei Wochen wiederholt und nicht immer einfach zu verkraften ist. Wie generell nach einer Trennung kann Kontakt zu Freunden, weiteren Familienmitgliedern oder auch die Inanspruchnahme professioneller Hilfen (z.B. Familienberatungsstellen oder Gesprächs-/Psychotherapie) dabei helfen, besser mit der neuen Lebenssituation fertig zu werden.

Nicht so zwiegespalten ist der Eindruck bei der Organisation von Terminen, etwa Elternabenden oder Arztbesuchen. Zwar sollte auch hier immer ein Austausch zwischen den Elternteilen stattfinden, die eigentliche Durchführung aber profitiert klar davon, dass durch die geteilte Zeit beide Eltern eng an der Entwicklung der Kinder beteiligt sind und so in der Regel beide über alle aktuellen Geschehnisse Bescheid wissen. Auch die Aufteilung für Termine sollte bei gut funktionierenden Elternpaaren kein Problem sein, wenn etwa der „kinderfreie“ Elternteil zum Elternabend geht, da der andere ja sowieso gerade „babysittet“. Dies ist natürlich nicht ausschließlich im Wechselmodell möglich, aber in dieser engeren Konstellation dort sicher einfacher umzusetzen. Private Termine der Kinder, also Verabredungen mit Freunden, können sich hingegen etwas aufwändiger gestalten als normal, da bei Verabredungen immer der aktuelle Aufenthaltsort der Kinder mit bedacht werden muss und damit auch der Ansprechpartner für die Freunde der Kinder bzw. deren Eltern wechselt.

Abschließend soll noch einmal darauf hingewiesen werden, dass beim Wechselmodell in der Regel klare zeitliche Zuständigkeiten herrschen, auf die bei Uneinigkeiten zurückgegriffen werden kann. Bei einem gut funktionierenden Miteinander von allen Beteiligten und mindestens durchschnittlichem Organisationstalent sollten sich die meisten potentiellen Probleme innerhalb der Familie aber in Grenzen halten lassen. Der Arbeitgeber und die finanzielle Situation der Elternteile können dahingegen eher zu Konflikten führen bzw. die Einführung des Wechselmodells erschweren.


Zusammenfassung

PRO

+ „Kinderfrei“ für beide Elternteile ermöglicht mehr Zeit für Beruf und Hobby
+ Bei guter Durchführung durch Nähe und Absprachen zwangsläufig keine Entfremdung zwischen Eltern und Kindern
+ Durch vorgegebenen Rhythmus trotz geteiltem Sorgerecht klare zeitliche Zuständigkeiten
+ Ohne Unterhalt keine finanzielle Abhängigkeit vom anderen Elternteil
+ Bestimmte Anschaffungen können finanziell geteilt werden

CONTRA

– Wechsel zwischen Kindern und Alleinsein kann organisatorisch schwierig und mitunter emotional schwer zu verkraften sein
– Immer wieder hohes Maß an Absprachen nötig
– Bei stark unterschiedlichen, regelmäßigen zeitlichen Verpflichtungen der Eltern Konfliktpotential bzgl. Betreuungsangeboten
– Ohne Unterhalt vom anderen Elternteil keine finanzielle Unterstützung abseits von hälftigem Kindergeld/jobcenter
– Konfliktpotential bei größeren Anschaffungen/Klassenfahrt/etc und stark unterschiedlichem Einkommen der Eltern


zurück