Schule und Kindergarten

Sowohl die Organisation als auch die Kommunikation mit Schule, OGS/Hort und Kindergarten gestaltet sich beim Wechselmodell natürlich anders als im Residenzmodell oder in gemeinsamer Erziehung. Dadurch, dass sich die Kinder jeweils eine Woche bei einem Elternteil aufhalten, wechselt eben auch wöchentlich der Ansprechpartner für die jeweilige Betreuungseinrichtung. Dabei kann nicht grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass die Lehrer und Erzieher auf jede daraus resultierende Besonderheit gesondert Rücksicht nehmen können oder wollen. Wo es bei einer E-Mail-Liste noch ohne großen Mehraufwand möglich ist, einfach zwei Mailadressen einzutragen, wird sicherlich nicht jeder Elternbrief automatisch zweimal ausgegeben, zumal es bis der andere Elternteil wieder in der Einrichtung vorbeischaut vielleicht schon zu spät für eine dringende Information ist. Hier muss schlicht die direkte Kommunikation zwischen den Elternteilen stimmen, damit wichtige Termine direkt weitergegeben werden können und man sich nicht auf die Einrichtung verlassen muss, dies beiden Elternteilen gesondert mitzuteilen. Die modernen Kommunikationsmittel wie WhatsApp oder andere Messenger können hierbei übrigens sehr effizient eingesetzt werden, da z.B. Elternbriefe oder Aushänge damit schnell und einfach abfotografiert und weitergeleitet werden können.

Funktioniert es aber mit der Kommunikation zwischen den Elternteilen untereinander, sowie zwischen Eltern und Einrichtung, dann können die Kinder sehr davon profitieren, ihren regulären Schul-, oder Kindergartenalltag mit beiden Elternteilen abwechselnd zu erleben. So bekommt jeder Elternteil wichtige Entwicklungsschritte mit, erlebt selbst einmal den Stress wegen schlechten Noten oder wird bei Problemen mit Mitschülern oder Hausaufgaben um Rat gefragt. Anstatt dies alles nur bei einem Elternteil zu erleben und dem anderen wenn überhaupt retrospektiv davon zu berichten, sind hier beide „hautnah dabei“, was eine viel engere Bindung zwischen Kind und Erwachsenem ermöglicht. Weiterhin können wiederum beide Eltern aufgrund der gleichmäßigen Präsenz bei Lehrern und Erziehern profitieren, wenn es darum geht, ohne Umwege Probleme oder Besonderheiten zu besprechen, oder einfach Rückmeldungen zur schulischen Entwicklung einzuholen. Auch hier ist aber wieder unbedingte Voraussetzung, dass das Verhältnis der Elternteile untereinander nicht tiefgreifend konfliktbeladen ist, da sonst seitens der pädagogischen Kräfte schnell Vorbehalte geweckt werden können, was überhaupt wem anvertraut werden kann.

Ein erhöhter Organisationsaufwand und Konfliktpotential kann auf alle getrennten Eltern in Sachen Ferien (insbesondere den 6-wöchigen Sommerferien) zukommen. Da wohl kaum jemand einen wöchentlichen Wechsel auch während der Urlaubszeit aufrechterhalten möchte, werden die Ferien standardmäßig, ebenso wie beim Residenzmodell, hälftig geteilt (3/3 Wochen). In der Regel hat dabei jährlich wechselnd ein Elternteil das Vorrecht, darüber zu entscheiden, welchen Teil der Ferien er oder sie mit den Kindern verbringen möchte. Ist von keinem Elternteil ein größerer Urlaub geplant, ist es günstiger für den Beruf oder aus anderen Gründen sinnvoll, kann man sich aber selbstverständlich auch auf andere zeitliche Regelungen (z.B. 1/2/2/1 Wochen) einigen. Obwohl die Handhabung hier normalerweise der des Residenzmodells entspricht, hat das Wechselmodell den großen Vorteil, dass die Kinder bei jedem Elternteil entsprechenden Wohnraum und entsprechende Ausstattung haben und entsprechend keine große Reisetasche vom einen Elternteil gepackt werden muss, bevor es mit dem/der Wochenend-Papa/Mama dann für 3 Wochen in den Urlaub geht. Trotzdem ist es, allerdings unabhängig vom Betreuungsmodell, nicht immer einfach, sich auf eine faire Aufteilung zu einigen. Besonders mit mehreren Kindern in verschiedenen Betreuungseinrichtungen samt unterschiedlicher Ferienschließzeiten ist die Ferienorganisation selbst für „Normalfamilien“ bereits schwierig genug.

Ebenfalls schwierig kann es bei AGs in der Nachmittagsbetreuung, sowie der Teilnahmeder Kinder an Kursen oder an Vereinssport werden, da diese natürlich auch mit dem Arbeits- oder sonstigen Alltag beider Elternteile vereinbar sein müssen. Entsprechende Termine finden in der Regel wöchentlich statt, was potentiell zu Problemen führt, wenn die Teilnahme nicht von beiden Erwachsenen sichergestellt werden kann. Dies kann an unterschiedlichen Arbeitszeiten liegen, oder dass der Trainingsort weiter entfernt liegt und nicht beide Elternteile ein Auto besitzen. Da im klassischen Residenzmodell der Alltag hauptsächlich von nur einem Elternteil gestaltet wird, muss dieser selbstverständlich kaum Rücksicht auf terminliche Gegebenheiten oder die Mobilität des anderen nehmen, was vieles vereinfachen kann. Das Wechselmodell setzt wiederum viel mehr Absprachen und örtliche Nähe bzw. gleichermaßen vorhandene Mobilität beider Elternteile voraus.

Viel einfacher kann im Wechselmodell hingegen die Teilnahme an Elternabenden oder anderen entsprechenden Veranstaltungen gelingen, da ja grundsätzlich ein Elternteil gerade keine Kinder bei sich hat. Damit fällt automatisch die leidige Suche eines Alleinerziehenden nach einem Babysitter weg. Klar ist natürlich, dass abermals die Kommunikation soweit funktionieren muss, dass der gerade kinderbetreuende Elternteil umgehend ebenfalls über die Inhalte des Elternabends informiert wird. In der Schule oder dem Kindergarten anfallende Anschaffungskosten für Materialien, Ausflüge oder Klassenfahrten sollten normalerweise von beiden jeweils zur Hälfte übernommen werden, was Konflikte auch hier nur bei sehr stark auseinanderliegenden Budgets hervorrufen sollte.

Zu guter Letzt noch ein Punkt, der potentiell den größten Ärger verursachen und letztlich ganz alleine das Wechselmodell zum Scheitern verurteilen kann: Die Pädagogischen Ansichten der Eltern. Liegen diese zu weit auseinander, so dass sich etwa nicht auf eine Betreuungseinrichtung geeinigt werden kann, oder der eine Bestnoten erwartet und auf Förderunterricht/Nachhilfe besteht während der andere den Fokus auf freie persönliche Entfaltung setzt, ist schnell ein Punkt erreicht, wo sich durch gegenseitige Blockaden überhaupt nichts mehr beschließen lässt und das Kind komplett verunsichert zurückbleibt. Natürlich existiert dieses Problem auch beim Residenzmodell, solange beide noch das Sorgerecht besitzen, doch durch die klare Aufteilung der Rollen dort ist es faktisch so, dass der hauptsächlich betreuende Elternteil entscheidet und der andere diese Entscheidung lediglich bestätigt. Zwar kann letzterer aus welchen Gründen auch immer sein Veto einlegen und dies schlimmstenfalls bis vor Gericht bringen, doch selbst dort wird er oder sie in aller Regel (außer bei sehr triftigen Einspruchs-Gründen) das Nachsehen haben. Die deutlichere Gleichstellung beider Elternteile bei allen Entscheidungen beim Wechselmodell, lässt hingegen keine klare Aufteilung in „Entscheider“ und „Abnicker“ zu, sondern setzt wieder einmal zwingend auf friedlichen Dialog und gemeinsame Beschlüsse. Ist dies nicht möglich und muss für jede größere Entscheidung vor Gericht gestritten werden, ist das Wechselmodell mit großer Sicherheit zum Scheitern verurteilt. Zum Wohle der Kinder sollten daher beide Elternteile stets prüfen, ob die eigenen Vorstellungen von der schulischen und sonstigen Entwicklung des Nachwuchses wirklich so entscheidend für sie sind, dass diese unbedingt Vorrang vor einem ausgewogenen Zusammenleben bei beiden Elternteilen haben müssen, oder ob man für das größere Ganze auch einmal von seinen eigenen Idealen abweichen kann.


Zusammenfassung

PRO

+ Kinder haben trotz zweier Wohnorte einen gleichbleibenden Alltag in Schule/Kindergarten
+ Beide Elternteile haben gleich viel Einblick in den schulischen Alltag und den Entwicklungsstand der Kinder
+ Beide Elternteile können einfacher Rücksprache mit Lehrern und Erziehern halten
+ Einfachere Handhabung der Ferien
+ Teilnahme an Elternabenden einfacher, dank Kinderbetreuung beim anderen Elternteil
+ Anfallende Kosten können geteilt werden

CONTRA

– Gute Kommunikation der Eltern und Akzeptanz des Modells seitens der Einrichtung unbedingte Voraussetzung
– Evtl. Mehraufwand für Einrichtungen (Doppelte Elternbriefe? Wer ist gerade zuständig?)
– Zeitplan der Kinder (AGs/Kurse/Vereine) muss mit Zeitplan beider Erwachsener vereinbar sein
– Wege zu KiTa/Schule/Verein dürfen von beiden Elternteilen nicht zu lang sein
– Pädagogische Ansichten der Eltern müssen kompatibel & Kompromisse müssen möglich sein


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