Was tun bei Problemen?

So gut wie nichts funktioniert auf Anhieb reibungslos und selbst wenn man es geschafft hat und alles endlich „flutscht“, dann kommt ziemlich sicher irgendwann einmal der Punkt, an dem es doch wieder irgendwo hakt. Dies passiert häufig durch veränderte Lebensumstände, wie etwa ein neuer Partner oder eine neue Arbeitsstelle, ein Umzug, eine schwere Krankheit oder pubertierende Kinder mit neuen Interessen und Wünschen. Veränderungen im Leben sind ganz normal und so sollte man auch beim gewählten Betreuungsmodell damit rechnen, dass es irgendwann einmal angepasst oder ganz geändert werden muss.

Außerdem kann es natürlich auch schlicht bei Meinungsverschiedenheiten in Erziehungs- oder Organisationsfragen zu Streitigkeiten kommen, die sich im ersten Moment nicht lösen lassen. Was ist dann am besten zu tun?

So oder so ist es empfehlenswert, sich besonders zu Beginn einer Trennung oder beim Wechsel des Betreuungsmodells an professionelle Beratungsstellen zu wenden. Auch diese sind allerdings kein augenblicklich wirksames Allheilmittel und es kann zudem eine ganze Weile dauern, bis man einen fachlich kompetenten Ansprechpartner gefunden hat, mit dem sich alle Beteiligten wohlfühlen. Umso wichtiger ist es, möglichst früh mit der Suche nach einer passenden Beratungsstelle zu beginnen. Die Angebote dazu sind im Internet vielfältig vorhanden und recht einfach zu finden, die besten Anlaufstellen sind in der Regel die örtlichen Jugendämter und kirchliche Institutionen wie z.B. Caritas oder Diakonie. Auch Mütter-, Väter- bzw. Elterntreffen, die oft ebenfalls von kirchlichen oder gemeinnützigen Trägern angeboten werden, können hilfreich sein, einen neuen Blickwinkel auf ein Problem zu bekommen und sich mit anderen Eltern in ähnlichen Lebensumständen auszutauschen. Mit ziemlicher Sicherheit ist man nicht das erste Elternpaar, das vor einem bestimmten Problem steht, und oft kann man aus den Erfolgen und Fehlern von anderen Betroffenen, die solche Geschichten schon hinter sich haben, gute eigene Ideen entwickeln um einen Konflikt erfolgreich zu lösen. Gerne stehen daher auch wir für persönliche Ratschläge oder als Hilfe bei der Suche nach der richtigen Anlaufstelle bereit.


Doch was kann man persönlich tun, um Streitigkeiten zu vermeiden?

1. Paarkonflikt und Elternsein trennen

Klar hat man persönliche Probleme mit dem Expartner, immerhin hat man sich aus irgendeinem Grund ja getrennt. Daher ist es völlig normal, dass man sich auf der Paarebene voneinander weg bewegt. Eltern der gemeinsamen Kinder bleibt man aber sein Leben lang und die Kinder können in aller Regel auch nichts für elterliche Konflikte. Gleichzeitig leiden vor allem die Kinder unter Differenzen der Eltern bzw. profitieren sehr davon, wenn diese zumindest in ihrem Elternsein weiter an einem Strang ziehen. Dies sollte man sich besonders in schwierigen Situationen immer wieder ins Gedächtnis rufen und Sachthemen zur Organisation nicht mit persönlicher Missgunst dem Expartner gegenüber vermischen.

2. Nichts überstürzen

Nicht nur bei elterlichen Konflikten gilt: Rom wurde nicht an einem Tag erbaut und genauso müssen auch die wenigsten Probleme an einem Tag gelöst werden. Merkt man, dass es an einer Stelle hakt und man in einer lebhaften Diskussion so gar nicht weiter kommt, ist es daher sinnvoll, erstmal einen Waffenstillstand zu verkünden und die Lösung des Problems zu vertagen. So haben beide Elternteile Zeit um ihre Nerven zu beruhigen und sich alles nochmal in Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen. Oft genügt das schon um auf neue Ideen zu kommen, oder zu bemerken, dass Streitpunkt A vielleicht doch nicht so schwierig umzusetzen ist, wenn man an Abmachung B nur ein klein bisschen herumschraubt. Auch Gespräche mit Freunden und Bekannten (oder auch Fachleuten) in der Zwischenzeit helfen dabei, Probleme aus anderen Perspektiven zu sehen.

3. Selbstreflexion und Empathie

Viele Menschen denken gerne und viel AN sich selbst, aber leider denken nur wenige auch ÜBER sich selbst nach. Und in Zeiten von Trump und Co scheint es ja geradezu in Mode zu sein, nur an sich selbst zu denken und mit ausgestreckten Ellenbogen durchs Leben zu poltern. Dies mag auch durchaus in vielen Lebenssituationen erfolgversprechend und sehr verlockend wirken, in einer gemeinsamen Elternschaft mit vielen Beteiligten und gemeinsamen Verpflichtungen steht einem übertriebener Egoismus aber deutlich im Weg. Will man selbst langfristig mit seinen Interessen und Wünschen ernstgenommen werden, so hilft es ungemein, wenn man die gleiche Aufmerksamkeit dem Expartner zukommen lässt und auch mal persönlich zurücksteckt. Dazu ist es nötig, hin und wieder den eigenen Standpunkt zu überdenken und sich in den anderen Elternteil hineinzuversetzen, sich zu fragen „Warum will er/sie das überhaupt?“. Wenn beide Elternteile es schaffen, nicht immer nur sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sowie die gegenseitigen Lebensumstände zu verstehen und die Interessen des anderen zumindest zu einem gewissen Grad nachzuvollziehen, zeigt dies nicht nur persönliche Größe, sondern vermeidet ganz konkret unnötige Streitereien.

4. Nobody is perfect

Zu Hohe Ansprüche, die nicht oder nur schwer erfüllbar sind, können zu Stress führen. Und dieser begünstigt Streit. Besonders in der heutigen, medial vernetzten Welt, wo es dank Instagram-Stories und Facebook-Posts so wirkt als wäre jeder zu jeder Zeit gutaussehend, glücklich und überhaupt total hip und cool, kann es mitunter schwer sein, eine realistische Erwartungshaltung fürs eigene Leben zu haben. Die eigentlich simple Lösung: Nicht die Supermutti aus dem Internet zum Vorbild nehmen, deren Kinder angeblich so perfekt erzogen sind, dass sie sich ihre Windeln selber wechseln können und die mit 3 Monaten schon „Mama ist die beste!“ sagen konnten und nicht blind dem Hipster-Daddy nacheifern, der dank seinem Männerdut trotz 60-Stunden-Woche in seinem Startup-Unternehmen vorgibt, noch genug Zeit für Haushalt, Kinder, Hund und sein persönliches, appgesteuertes Fitnessprogramm zu haben. Stattdessen mal in sich hinein horchen und abwägen: „Was kann ich körperlich und seelisch leisten OHNE daran zu zerbrechen? Was ist zeitlich und praktisch organisierbar?“ Sich dann daran zu orientieren und entspannt mit dem zufrieden zu sein, was tatsächlich möglich ist, schafft innere Ruhe und hilft, schwierige Zeiten und Konflikte vernünftig zu lösen.