Voraussetzungen

Das Wechselmodell kann für Eltern und Kinder viele Vorteile bringen, ist aber definitiv kein Allheilmittel für jedermann. Viele Voraussetzungen sollten erfüllt sein, damit eine erfolgreiche Durchführung möglich ist. Zwar sollte sich niemand entmutigen lassen, wenn es anfangs noch an manchen Stellen hakt, denn wie bei jeder anderen Veränderung auch braucht es hier ebenfalls Zeit, damit sich alles einspielt. Außerdem kann gerade zu Beginn, also beim Aufbau der Regelung, eine professionelle Beratung sehr hilfreich sein, um etwa bei der Trennung zwischen Paarkonflikt und Elternsein zu unterstützen. Um vor der Entscheidung für diese Regelung einen besseren Überblick zu bieten, haben wir im Folgenden eine kleine Checkliste erstellt, die aufzeigen soll, worauf besonders zu achten ist.


1. Alle müssen es wollen

Eigentlich logisch, trotzdem soll es hier erwähnt werden: Da das Wechselmodell gerade anfangs (bis alles eingespielt ist) einen hohen Einsatz und Mitwirkung von allen Beteiligten verlangt, ist es kein Modell, das gegen den Willen einer Partei durchgesetzt werden kann. Nur wenn beide Elternteile ernsthaftes Interesse an einer weiteren Erziehungstätigkeit haben, den engen Kontakt zu den Kindern erhalten wollen und dafür notfalls auch bereit sind in anderen Lebensbereichen Abstriche zu machen, sollte das Wechselmodell in Betracht gezogen werden. Auch die Kinder sollten selbstverständlich schon vor Einführung der Regelung eine tragfähige Beziehung zu beiden Elternteilen haben und sich grundsätzlich ein Pendeln zwischen beiden vorstellen können. Sind die Kinder zudem noch zu klein, ist vom Wechselmodell generell zunächst abzuraten. Die Grenze wird hier grob bei 3 Jahren gezogen, wobei dies natürlich auch von den Begleitumständen (z.B. ältere Geschwister), bestehenden Bindungen des Kindes zu beiden Elternteilen und seinem individuellen Entwicklungsstand abhängt.

2. Kommunikation muss stimmen

Grundvoraussetzung für ein Gelingen des Wechselmodells ist die Kommunikation zwischen den Elternteilen. Ohne regelmäßige Absprachen und eine offene Kommunikation ist die Durchführung eines reibungslosen Wechsels von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die Eltern dürfen auf privater Ebene natürlich auf Distanz voneinander gehen und müssen keine allerbesten Freunde bleiben, aber auf der Sachebene zu Organisation und Erziehung sollte ein fairer und reflektierter Austausch möglich sein. Außerdem sollten die Erziehungsstile beider Eltern natürlich nicht gegenläufig sein und auch vom jeweils anderen grundsätzlich akzeptiert werden können. Besonders für die Kinder stellt es eine erhebliche Belastung dar, wenn sie wöchentlich zwischen zwei Elternteilen wechseln müssen, zwischen denen eine deutliche Antipathie zu spüren ist oder wo sich die erzieherischen Ansichten radikal unterscheiden. Dies kann für eine starke Verunsicherung der Kinder sorgen und neben Entwicklungsstörungen z.B. auch zu Vorbehalten führen, die Eltern offen auf Sorgen und Nöte anzusprechen.

3. Örtliche Nähe muss vorhanden sein

Sicherlich ist es in Ausnahmefällen und mit viel Einsatz der Eltern auch möglich, ein Wechselmodell über größere Distanzen zu verwirklichen, aber generell ist eine nicht zu große Entfernung zwischen den Wohnsitzen der Elternteile zu empfehlen. Da die Kinder von beiden Elternteilen aus Schule und Kindergarten besuchen müssen, ist eine große Entfernung mit erheblichem Mehraufwand für alle verbunden.

4. Die Wohnungen müssen groß genug sein

Nicht nur die räumliche Nähe der Eltern zueinander, auch die Ausstattung der Wohnungen muss natürlich stimmen. Jeder Elternteil muss die räumlichen Möglichkeiten haben, die Kinder entsprechend zu beherbergen. Nötig ist ein vollständiges Kinderzimmer samt Kleidungsausstattung und Spielsachen. Die Kinder müssen sich bei beiden Elternteilen jeweils für mindestens eine Woche wohl und zuhause fühlen können.

5. Die (u.a. zeitliche) Organisation muss klappen

Selbst wenn alle materiellen und örtlichen Gegebenheiten stimmen, muss selbstverständlich auch der Tagesablauf der Kinder mit dem beider Eltern kompatibel sein. Das heißt, die Arbeitszeiten und sonstigen Verpflichtungen beider Elternteile müssen so aussehen, dass sie die Kinder jeweils von Schule oder Kindergarten abholen und sie zu regelmäßigen Terminen (Therapien/Kurse/Sport) bringen können. Auch für den Fall, dass später noch Termine hinzukommen, sollte ausreichende zeitliche und organisatorische Flexibilität vorhanden sein. Ebenso ist zu bedenken, ob eventuell für gewisse Erledigungen ein Auto bei jedem Elternteil vorhanden sein muss. Genauso ob und wie z.B. Fahrräder der Kinder transportiert und bei beiden Wohnungen entsprechend untergebracht werden können.


Sind alle diese Bedingungen erfüllt, dann sieht es für die Einführung des Wechselmodells zumindest schon einmal ganz gut aus. Dennoch sollte man natürlich nichts überstürzen, sich gut mit dem anderen Elternteil absprechen und am besten auch eine neutrale dritte Partei (Jugendamt, Familienberatungsstelle, Anwalt) mit ins Boot holen. Diese kann nicht nur bei der Klärung noch offener Fragen helfen, sondern beschlossene Regelungen auch gleich schriftlich festhalten, so dass man bei späteren Unklarheiten oder Streitigkeiten darauf zurückgreifen kann.